Steuerungsinstrumente während des Inbetriebnahmemanagements

Die Hilfsmittel und Steuerungsinstrumente des Inbetriebnahmemanagements stützen den Prozess der ganzheitlichen Betrachtungsweise, um so immer einen Überblick zu erhalten. Unter anderem erläutert die Richtlinie VDI 6039 „Facility-Management – Inbetriebnahmemanagement für Gebäude – Methoden und Vorgehensweisen für gebäudetechnische Anlagen“ [1] dabei mögliche Methoden. Diese Werkzeuge sind an das Projekt anzupassen und nach Bedarf zu erweitern.

 

Gewerkebeziehungsmatrix

Als reine Übersicht führt die Gewerkebeziehungsmatrix gemäß der VDI 6039 die Schnittstellen zwischen den Gewerken auf. Diese stellt projektbezogen die Verbindungen und die notwendige Zusammenarbeit der Gewerke untereinander dar.

 

Schnittstellenkatalog

Der Schnittstellenkatalog stellt die Schnittstellen für die Planungs- und Bauphasen mit Zuständigkeiten dar.

 

Besonders in der Planungsphase sorgt dieser Katalog dafür, dass alle Bereiche bedacht und definiert werden. Dadurch werden im nächsten Schritt auch Ausführungsschnittstellen ersichtlich. Je umfassender und eindeutiger die Schnittstellen beschrieben werden, desto klarer der Leistungsumfang und die Leistungsabgrenzung. [3] S. 94

 

Je nach Vertragssituation ist auch die VDI 6026 Blatt 1 [5] „Dokumentation in der Technischen Gebäudeausrüstung“ zu beachten, denn hier werden unter anderem auch die eindeutige Darstellung von Schnittstellen einander tangierender Gewerke, nutzer- bzw. bauherren- oder bauseitiger Leistungen gefordert.

 

Eine weitere Schnittstellenübersicht bietet eine Funktions- und Schnittstellenmatrix gemäß VDI 6010 Blätter 1 und 3 [6], [7]. Wenn diese auf Datenbankbasis erstellt worden ist, könnte hieraus die Brandfallsteuermatrix extrahiert werden.

 

Anlagenliste

Die Anlagenliste enthält sämtliche technischen Anlagen des Bauprojekts. Diese Übersicht verschafft jederzeit einen Überblick über die Menge der Anlagen, kann als Referenz für die Erstellung von Terminplänen dienen und ist zudem das Masterdokument sämtlicher entfallenen und vorgehaltenen Anlagen.

 

Idealerweise sind auch die Steuerungskomponenten zugeordnet. Damit ist schnell ersichtlich, welcher ISP welche Anlagen ansteuert, um die Inbetriebnahmen systematisch und anlagenweise zu koordinieren.

 

Alle Anlagen sind mit einem fest definierten eineindeutigen Anlagenkennzeichnungsschlüssel (AKS) zu bezeichnen. Entfallene Anlagen werden nicht durch neu geplante ersetzt, um so immer eine unkomplizierte Revision durchführen zu können.

 

Bei Großprojekten bietet sich hierzu eine datenbankbasierte Lösung an. Mindestens sollte jedoch eine filterbare Excel-Datei mit allen Anlagen, und bei Ansteuerung mit ISP-Zuordnung, existieren.

 

Ablaufpläne

Der Projektstrukturplan (PSP) gliedert das Projekt in Phasen (übergeordnete Ebene), die in einzelne Teilaufgaben – jedoch ohne zeitliche Angaben – unterteilt sind. Daraus lassen sich die notwendigen Vorgänge für die nachfolgenden Ablaufpläne ableiten.

 

Die absolute Detaillierung der Planung, Bauausführung und Inbetriebnahme kann heutzutage ohne weiteres mit Terminplanungssoftware erstellt werden. „In der Praxis ist ein solcher Ablaufplan nicht brauchbar. Die Vielzahl der Vorgänge ist für den Projektbearbeiter nicht mehr überschaubar, die Aktualisierung solcher Ablaufpläne ist nicht mehr möglich.“ [8] S. 120

 

Daher ist eine Differenzierung der Detailtiefe für die verschiedenen Arbeitsebenen, sowie dem Projekt notwendig:

  • Rahmenterminplan (RTP)
  • Generalterminplan (GTP)
  • Steuerungsterminplan (STP)
  • Detailterminplan (DTP)
  • Anlagenterminplan

 

Liste offener Punkte

Im Inbetriebnahmemanagement ist es mit eine Grundlage alle inbetriebnahmeverhindernde Gründe zu kennen und die Beseitigung über Prioritäten einzuleiten. Dabei unterstützt die Liste offener Punkte (LoP). Dabei sollten Bedenkenanmeldungen (§4 Nr. 1 Abs. 4 VOB/B), Baubehinderungen (§6 Nr. 1 VOB/B) und Mangelanzeigen, sowie weitere inbetriebnahmeverhindernde Gründe mit aufgeführt werden. Dieses Dokument ist, eine Quelle von wichtigen Informationen, um Probleme im Projekt rechtzeitig zu erkennen und die Möglichkeit zu nutzen rechtzeitig gegenzusteuern. Die terminlichen und kaufmännischen Auswirkungen können dadurch minimiert werden.

 

Netzpläne, Prozessketten und Prozessbilder

Die Netzplantechnik spielt im Bauwesen beim Projektmanagement komplexer Bauvorhaben eine wesentliche Rolle. Notwendige Vorleistungen und Arbeitsschritte werden selbst für unerfahrene oder gewerkefremde Personen nachvollziehbar.

 

Um beispielsweise den Detailterminplan zu entlasten, können Netzpläne je TGA-Anlage erstellt werden (siehe Abbildung 9). Für das Termincontrolling sind die klassischen Ampelfarben (rot: Termin überschritten; gelb: Termin noch im Soll; grün: Prozessteil abgeschlossen / eingehalten) als plakative Indikatoren einsetzbar. Für die frühe Einbindung der Bertreiberorganisation werden die betreiberspezifischen Termin in hell- und dunkelblau dargestellt.

 

Ein RLT-Schema mit nummerierten Reihenfolgen und Ampeln, die Aussagen über den Status der Planung, Ausführung und Inbetriebnahmen macht, vereinfacht die die visuelle und anlagenbezogenen Darstellung und macht die Thematik für alle Beteiligten greifbar.

 

Brandfallsteuermatrix / Brandfallsteuerdatenbank

Die Brandfallsteuermatrix dient als Grundlage zur Programmierung der Steuerlogik sämtlicher sicherheitsgerichteten Systeme, um damit die baurechtlich relevante Wirkprinzipprüfung durchführen zu können.