Ziel und Aufgabe des Inbetriebnahmemanagements

Ziel und Aufgabe des Inbetriebnahmemanagements

Das Inbetriebnahmemanagement ist eine aktive gewerkeübergreifende Betreuung eines Bauprojekts, mit dem Ziel das Objekt ganzheitlich fertigzustellen und in Betrieb zu nehmen. Durch die steigenden Anforderungen und der dadurch entstehenden Komplexität in der Gebäudetechnik steigt die Anzahl der Gewerkeschnittstellen. Zur Fertigstellung eines Bauprojekts dient das Inbetriebnahmemanagement u.a. als Bindeglied zwischen den Schnittstellen des Baus (Kostengruppe 300 nach DIN 276‑1) und der Gebäudetechnik (Kostengruppe 400 nach DIN 276‑1). Die Abnahme ist dabei ein Teil der notwendigen Prozessschritte.

 

Somit ist die erste Aufgabe des Inbetriebnahmemanagements, die notwendigen Voraussetzungen für die Inbetriebnahmen unterstützend herzustellen, um die nachlaufenden Arbeitsschritte durchführen zu können. Dies ist besonders dann der Fall, wenn beispielsweise das ausführende Unternehmen oder der zugeordnete Fachbauleiter gewerkeübergreifend nicht weiterkommt, weil seitens eines anderen Gewerks nicht kooperiert wird (z.B. fehlende bauliche Fertigstellungen und notwendige Reinigungsmaßnahmen vor Zuschaltung der RLT‑Anlage). Nur die gewerkeübergreifende Betrachtungsweise und entsprechende Führungsmentalität kann der Schlüssel zum gesamten Projekterfolg sein.

 

Der weitere Fokus ist auf die Prioritäten der Fertigstellung zu richten. Erfüllung, Erledigung, Beendigung und Vollzug sind einige Synonyme für das Wort „Fertigstellung“. Das Ergebnis ist das Ende der gestellten Aufgabe. Insbesondere bei Großbaustellen, können die Erwartungen von „funktioniert“ und „fertig“ sehr weit auseinander gehen. Daher ist eine klare Definition der verschiedenen Stufen der Fertigstellung inklusive der Notwendigkeiten je Projekt notwendig.

 

Um ein Gebäude baurechtlich abgenommen zu bekommen, müssen sämtliche sicherheitsgerichteten Systeme betriebssicher und wirksam sein (safety[1]). Mit (leicht) nachrangigem Fokus können die Nutzerfunktionen, Sicherheitsfunktionen (security[2]), Komfortfunktionen und Energieoptimierungen seitens des Inbetriebnahmemanagements betrachtet werden.

 

Ähnliche Konzepte

Da das Inbetriebnahmemanagement kein geschützter Begriff ist, können unter dieser Thematik verschiedene Interpretationen und Ausführungsmethodiken verstanden werden. Nachfolgend werden einige Konzepte vorgestellt, die direkt oder indirekt mit der Inbetriebnahme eines Gebäudes zu tun haben.

 

Inbetriebnahmemanagement nach VDI 6039

Das Inbetriebnahmemanagement nach VDI 6039 beginnt bereits während der Projektentwicklung, spätestens mit Beginn der Planung, verläuft über die Ausführungsphase und endet formal spätestens mit dem Ablauf der Verjährungsfrist für Ansprüche aus Sachmängeln des letzten Einzelgewerks.

 

In dem Regelwerk werden die Planungsschritte und Hilfsmittel zur Durchführung des Inbetriebnahmemanagements aufgeführt. Dabei wird kurz auf die gewerkeweise und gewerkeübergreifenden Inbetriebnahmen und Abnahmen eingegangen.

 

Integrationsplaner

Klassischerweise leiten Projektsteuerer und Objektplaner (meist Architekten) den Planungs- und Ausführungsprozess. Durch die steigende Komplexität der verbundenen Anlagentechnik sind jedoch weitere Fachkompetenzen gefragt. Heidemann und Schmidt stellen in ihrem Buch „Raumfunktionen“ ein interessantes Konzept vor: den Einsatz eines Integrationsplaners.

 

Dabei steht der Integrationsplaner auf Augenhöhe zum Objektplaner, stimmt sich mit diesem ab und übernimmt die Schnittstellenkoordinierung für das gewerkeübergreifende TGA-Gesamtkonzept mit den jeweiligen Fachplanern.

 

Den Bezug zum Inbetriebnahmemanagement schlägt Heidemann in dem Fachbuch „Integrale Planung der Gebäudetechnik“ in dem er auf die frühzeitige Etablierung des Inbetriebnahmemanagements nach VDI 6039 hinweist.

 

Die Autorin interpretiert dabei, dass das Inbetriebnahmemanagement gemäß Heidemann zum Ende der Leistungsphase 5 begonnen werden soll, da der Integrationsplaner in der Planungsphase die technischen gewerkeübergreifenden Themen betreut.

 

Commissioning

Das Wort „Commissioning“ (zu Deutsch: Inbetriebnahme) wird auch in Bezug auf das amerikanische Gütesiegel LEED® (Leadership in Energy and Environmental Design) angewendet. Dabei soll das Commissioning Management bereits in der Planung vorbereitet werden und die Betriebsorganisation umfassen. Gemäß Erfahrungen der Autorin ist dieser Prozess tendenziell ein passiver Begleitprozess, um die Sicherstellung der Dokumentation sowie den Nachweis der Leistungs- und Funktionsfähigkeit der technischen Anlagen dem Zertifizierungsinstitut vorzulegen.

 

Die andere Verwendung von Commissioning ist im prozessorientierten Anlagenbau zu finden und enthält die notwendigen Inbetriebnahmeschritte: Bau und Montage (Construction), kalte Inbetriebnahme[3] (Pre-Commissioning) , heiße Inbetriebnahmen[4] (Commissioning) , Anfahren der Anlage (Start Up), Erstbetrieb (Initial Operation).

 

 

[1] Safety: Sicherheit von/für Menschenleben (Brandmeldeanlage, Sprinkler, RDA etc.)

[2] Security: Sicherheit von Objekten (Einbruchmeldeanlage, Zutrittskontrollsystem, etc.)

[3] Kalte Inbetriebnahme: Prüfung der Funktion der Anlage ohne Medien

[4] Heiße Inbetriebnahme: Prüfung der Funktion der Anlage mit Medien (Warm-, Heißwasser, Dampf); Einstellung der Parameter.